Es ist vollbracht!

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Karfreitag, 25. März 2005

Wir haben uns in diesem Frühjahr über die verschiedenen Aussagen von Jesus am Kreuz Gedanken gemacht. Begonnen haben wir mit "Vater, vergib ihnen", dann "Heute wirst du mit mir im Paradies sein", dann "Frau, dies ist dein Sohn, Jünger, dies ist deine Mutter", dann "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" und letzten Sonntag "Mich dürstet!" Ich bin sehr beeindruckt über die Wichtigkeit dieser Aussagen, welche ich bisher etwas vernachlässigt habe. Natürlich ist der Tod Jesu als Faktum massgebend, doch die damaligen Umstände und die Haltung Jesu, die sich in Seinen Aussagen widerspiegeln sind enorm lehrreich und für unseren Glauben wichtig. Heute, Karfreitag, wollen wir die Aussage "es ist vollbracht" näher betrachten und übermorgen an Ostern den Sieg am Kreuz feiern mit der allerletzten Aussage unseres HERRN Jesus am Kreuz: "Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!" Lesen wir den Text aus der Heiligen Schrift, aus dem Evangelium von Johannes, übrigens der einzige Jünger, der am Geschehen auf Golgatha teilnahm und während der ganzen Kreuzigung beim HERRN verharrte. Johannes, Kapitel 19, Verse 17 bis 30

"Jesus wurde abgeführt. ER trug Sein Kreuz selbst aus der Stadt hinaus zu der so genannten Schädelstätte; auf hebräisch heisst sie Golgata. Dort kreuzigte man ihn und mit ihm zwei andere, einen auf jeder Seite; Jesus hing in der Mitte. Pilatus liess ein Schild am Kreuz anbringen, das die Aufschrift trug:"Jesus von Nazaret, König der Juden." Dieses Schild wurde von vielen Juden gelesen; denn der Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, war ganz in der Nähe der Stadt, und die Aufschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die führenden Priester des jüdischen Volkes erhoben Einspruch. "Es darf nicht heissen: >König der Juden<", sagten sie zu Pilatus. "Schreibe: >Dieser Mann hat behauptet: Ich bin der König der Juden.<" Pilatus erwiderte: "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben."

Die Soldaten, die Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und teilten sie unter sich auf; sie waren zu viert. Beim Untergewand stellten sie fest, dass es von oben bis unten durchgehend gewebt war, ohne jede Naht. "Das zerschneiden wir nicht", sagten sie zueinander. "Wir lassen das Los entscheiden, wer es bekommt." So sollte sich erfüllen, was in der Schrift vorausgesagt war:

"Sie haben meine Kleider unter sich verteilt; um mein Gewand haben sie das Los geworfen." Genau das taten die Soldaten.Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester sowie Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: "Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!" Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: "Sieh, das ist jetzt deine Mutter!" Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für sie. Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war. Und weil sich das, was in der Schrift vorausgesagt war, bis ins Letzte erfüllen sollte, sagte er: "Ich habe Durst!" Da tauchten die Soldaten einen Schwamm in ein Gefäss mit Weinessig, das dort stand, steckten ihn auf einen Ysopstängel und hielten ihn Jesus an den Mund. Nachdem er ein wenig von dem Essig genommen hatte, sagte er: "Es ist vollbracht!"

Die gefühlsmässige Traurigkeit, die uns immer wieder erfasst, wenn wir diese wahre Geschichte von der Kreuzigung unseres HERRN Jesus hören, sollte nicht von langer Dauer sein. Der Apostel Paulus sagt, "dass wir nur Traurigkeit im Sinne der Reue aufkommen lassen müssen, die Traurigkeit der Welt aber den Tod wirke." (2. Korinther 7, Vers 10) Er fährt in diesem Thema fort und schreibt der Gemeinde Thessalonich: "Seid allezeit fröhlich!" Wir haben heute allen Grund fröhlich zu sein, weil Karfreitag nicht das Ende des Heilsplanes Gottes ist. Der Name "Karfreitag" kommt vom altdeutschen "karen", das heisst klagen. Was an Karfreitag geschehen ist, ist sicher ein sehr wichtiger Teil des Heilsplanes Gottes für uns Menschen. Jesus ist drei Tage später auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden und ER lebt. Der Mensch gewordene Gott in Knechtsgestalt legte nach Vollendung des ganzen Auftrages das Amt oder die Rolle als vollständiger Gott und gleichzeitig vollständiger Mensch ab. Nun darf festgehalten werden, dass der HERR Jesus war und ist und wiederkommen wird. Auch in diesem Sinne dürfen wir diese Aussage "Es ist vollbracht!" verstehen. Wem galt eigentlich diese Aussage? Kaum den Zuschauern, welche diese Aussage aus dem Munde eines Sterbenden schwerlich hätten einordnen können. Sie galt Gott, dem himmlischen Vater. Der sechste Ausspruch Jesu am Kreuz "es ist vollbracht!" bestand in dem einzigen griechischen Wort "tetelestai", auf Deutsch "es ist vollbracht". Alle deutschen Übersetzungen sind sich da einig. In der französischen Bibel kommen wir der Sache näher: "Tout est accompli" heisst, dass alles vollbracht ist. Das Wort "tetelestai" fand man übrigens auch auf Papyrusquittungen für Steuern oder auf einer Empfangsbestätigung für eine Zahlung. Dieses Wort hat aber noch weitere Bedeutungen: "Es ist beendet, es ist gänzlich beendet" oder auch "es wird für immer beendet sein". Oft haben wir den Eindruck, die altgriechische Sprache sei so sakral und heilig, im Sinne von Gott gehörend. Nein, eigentlich war diese Sprache eine Alltagssprache und "tetelestai" hörte man tagtäglich. Versetzen wir uns in die sprachlichen Gepflogenheiten zur Zeit von Jesus auf dieser Erde und betrachten wir vier verschiedene Berufsgruppen: 1. Die Diener und Sklaven, 2. die Künstler, 3. die Händler und 4. die Militärpersonen.

1. "Es ist vollbracht" bei Dienern und Sklaven: Wenn ein Sklave seinen Auftrag vollendet hatte, musste er sich bei seinem Herrn zurückmelden mit dem Wort "tetelestai", was bedeutete, ich bin mit der Arbeit fertig, welche mir aufgetragen wurde. Jesus war der perfekte Diener. So wird ER uns auch im 2. Kapitel des Philipperbriefes beschrieben. Da steht: "ER verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. ER wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen." Seine Rolle die ER übernommen hatte war jedoch geistlicher und nicht etwa materieller Natur. Lukas 19,10: "Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist." Oder Galater 4,4: "Gott kam in diese Welt, damit er die, die unter dem Gesetz waren erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen". Alle diese Ziele oder Absichten, alle diese Begründungen, wieso Gott Seinen Sohn in diese Welt sandte, waren nur erreichbar durch den Tod am Kreuz. Der Grund wieso Jesus in diese Welt kam war nicht, dass er bis zum 30. Altersjahr Zimmermann und sicherlich ein hervorragender Berufsmann war. Es ging auch nicht um den Dienst, das Reich Gottes zu proklamieren oder die Kranken zu heilen oder die Toten auferstehen zu lassen und weitere Wunder zu tun. Nein, auch wenn diese Taten noch so phantastisch waren, waren sie gegenüber der Tat am Kreuz unbedeutend. Der Kulminationspunkt im Leben Jesu war der stellvertretende Tod am Kreuz, uns Menschen zum Heil.

2. "Es ist vollbracht" bei den Künstlern: Nicht nur die Sklaven und Diener benutzten das Wort "tetelestai". Wenn ein Kunstmaler nach getaner Arbeit zwei Schritte zurücktrat und sein Kunstwerk kritisch betrachtete, dann sagte er gewöhnlich: "Tetelestai" im Sinne von "so, das war es nun!" Bei jedem Künstler gibt es kaum ein Bild, dass nicht Stückwerk ist, es bleibt immer noch irgend etwas, was man hätte besser machen können. Im Gegensatz dazu hat Jesus durch Sein irdisches Leben die Heilige Schrift vollständig erfüllt. Alles was IHN betraf, Sein Lebenswerk, war am Kreuz vollständig beendet. Die Dutzenden von Bibelstellen im Alten Testament wurden mit dem Akt am Kreuz gänzlich erfüllt. Dies bestätigte Jesus später den beiden Emausjüngern.

3. "Es ist vollbracht" bei den Händlern: Nicht nur die Sklaven und Diener und Künstler benutzten das Wort "tetelestai", sondern auch die Händler. Wenn eine Geschäftstransaktion abgeschlossen war, fiel das Wort "tetelestai", im Sinne von "der Vertrag ist in Kraft" oder vergleichbar mit dem Handschlag. Paulus schreibt der Römischen Gemeinde, Kapitel 7, Vers 14 "Ich aber bin meiner eigenen Natur ausgeliefert; ich bin an die Sünde verkauft und ihr unterworfen." Jesus hat uns am Kreuz teuer erkauft. ER hat den vollständigen Preis bezahlt. Genau wie man auf dem Sklavenmarkt Menschen kaufen konnte und übrigens heute noch kaufen kann, ist das Schlüsselwort für den Handel "tetelestai, es ist vollbracht". Die Bedeutung davon ist, dass der Sklave nun einen Besitzerwechsel erfährt. Wir gehören nun Jesus und ER sagt uns, den ehemaligen Sklaven der Sünde: "Du bist frei!" "Wenn uns der Sohn in diesem Sinne frei macht, so sind wir wirklich oder recht frei." (Johannes 8,36) Verstehen wir nun auch die Fröhlichkeit von Karfreitag?

4. "Es ist vollbracht" bei den Militärpersonen: Nach einem Krieg sprach jeweils der oberste Leiter der Streitkräfte: "Tetelestai". Das hiess: "Auftrag erfüllt, der Kampf ist beendet, der Gegner ist besiegt." Das ist heute noch so. Collin Powell war der Oberkommandierende der US-Streitkräfte bei der Befreiung Kuwait's von den Irakischen Truppen unter Saddam Hussein. Erst als er dem Weissen Haus in Washington feierlich meldete: "Mission accomplished" wurde der Krieg offiziell als beendet erklärt.

Auf den ersten Blick schien der Kampf zwischen Jesus und dem Satan durch den Tod am Kreuz als für Jesus verloren. Es kam durch die Intervention Gottes anders. Das Kreuz wurde zu einem Triumph für Jesus und Satan wurde für immer besiegt. Hallelujah!

Liebe Gemeinde

Ich möchte noch einen Punkt festhalten, den wir oft nicht verstehen wollen. Der Sieg Jesu am Kreuz ist vollständig. Jesus hat uns teuer erkauft, ER hat uns frei gemacht, ER hat die ganze Schrift erfüllt. ER konnte Seinem himmlischen Vater rapportieren: "Mission accomplished, es ist vollbracht!" bzw. "Alles ist vollbracht, Dein Auftrag, Vater, ist vollständig erledigt, beendet und gänzlich ausgeführt." Doch irgendwie steckt es im Menschen drin, dass wir glauben, das Heil über einen schwierigeren Weg als über die Botschaft vom Kreuz zu erlangen. Natürlich sind wir geniert, dass alles von Jesus für uns bezahlt wurde. Dies hält uns aber demütig. Wir müssen regelrecht lernen zu akzeptieren, dass wir nichts, aber gar nichts zum Heil beitragen können. Weder unsere guten Werke, noch unsere Spenden und Gaben noch unsere religiösen Rituale bringen uns auch nur einen Schritt näher zum ewigen Leben. Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." (Römerbrief 3,28) Der vollständige Preis für unser Heil, für das ewige Leben bei Gott, wurde gänzlich bezahlt. Dieses "Geschäft", dieser Handel kann nicht rückgängig gemacht werden. Nur unser menschlicher Stolz macht uns zu schaffen, anzuerkennen, dass die Tat Jesu am Kreuz, den himmlischen Vater gänzlich befriedigt hat, ohne zusätzliche Leistungen von unserer menschlichen Seite.

"Es war einmal ein Bauer, der seinem Freund, einem Schreiner, dies zu erklären versuchte. Der Schreiner wollte dies nicht verstehen. Der Bauer bestellte ein grosses Tor aus Holz und nach ein paar Wochen wurde dieses Tor geliefert und eingebaut. Der Bauer ging mit einer Axt auf die Baustelle und sagte zum Schreiner: Ich denke, dass deine Arbeit nicht ganz vollständig ist und ich werde etwas beitragen. Dabei schlug er mit der Axt auf das neue Tor ein und bald war es zerstört. Der Schreiner schäumte vor Wut. "Sieh mal, was du getan hast, du hast mein Werk zerstört!" Da antwortete der Bauer: "Ja, ich weiss, ich habe dein Werk zerstört, als ich mein Werk hinzufügen wollte. Aber, machst du nicht das gleiche mit dem Werk Christi? Der HERR hat dir ein vollständiges Werk zum Heil angeboten und du zerstörst es mit deinen eigenen Taten."

Liebe Gemeinde

Wir werden im irdischen Leben nie das ganze Ausmass des Todes Jesu am Kreuz gänzlich erkennen können. "Es ist vollbracht" war der Schlusspunkt des Auftrages Jesu, welchen der Vater IHM aufgetragen hatte. Das Werk war nun vollendet! Jesus hat sich als Sündopfer für uns Menschen hingegeben. Es war und ist das Werk der Versöhnung und der Sühne. Es ist wahr, dass er noch nicht gestorben war, doch Sein Tod, Sein Begräbnis und Seine Auferstehung waren schon so sicher, als ob sie schon geschehen wären. Deshalb konnte der HERR Jesus auf diese Weise ankündigen, dass der Weg bereitet war, Sünder zu erlösen. Wir wollen Gott für das vollendete Werk des HERRN Jesus am Kreuz von Golgatha danken!

 

                                                      AMEN

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